11. Dezember 1926 – 24. Dezember 2022

Am 11. Dezember 1926 wurde Julianna Lang in Sankt Johann auf dem Heideboden (Jánossomorja) in Ungarn als zweites und letztes Kind geboren und einen Tag später in der Pfarrkirche Sankt Johann getauft. Ihre Eltern waren Matthias und Maria Lang, geb. Bucher.
Die Kinderjahre verbrachte Julianna in ihrer Heimat, wo sie auch die Pflichtschule besuchte. 1936 empfing sie die erste hl. Kommunion in der Pfarrkirche, 1939 die hl. Firmung in der Heimatkirche.
Nach Abschluss der Pflichtschule half sie ihren Eltern in der Landwirtschaft.
Nach Kriegsende 1945 wurden die in den verschiedenen Ländern lebenden Volksdeutschen immer verhasster. So wurde 1946 auch sie – wie viele Tausende Volksdeutsche – aus der Heimat vertrieben. Da ihre Heimat an der ungarisch-österreichischen Grenze war, floh sie mit ihren Eltern nach Österreich in das angrenzende Burgenland und baten um Asyl. 1953 erhielt sie die österreichische Staatsbürgerschaft. Als Wahlheimat wählten sie Breitenbrunn am Neusiedler See im Burgenland. Dort blieb sie bei ihren Eltern und half in der Landwirtschaft mit. In dieser Zeit lernte sie einen Kaplan aus Bruck an der Leitha kennen. Als sie ihm sagte, dass sie in ein Kloster eintreten möchte, riet er ihr den Orden der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter, die in Bruck tätig waren. Am 14. Mai 1948 trat sie in die Gemeinschaft in Wien Simmering ein. Dort wurde sie am 12. August 1949 eingekleidet und erhielt den Namen M. Corona von Unserer Lieben Frau von Fatima. Da in Wien in dieser Zeit kein Noviziat war, kam sie nach Abenberg (Deutschland) ins Kloster Marienburg. Dort machte sie das erste Noviziatsjahr und lernte gleichzeitig einige praktische Fertigkeiten für die Arbeit im Nähzimmer. 1950 kehrte sie nach Wien zurück, wo inzwischen ein Noviziat eröffnet worden war.
1951 legte sie in Wien die erste hl. Profess ab, erneuerte sie 1954 und feierte am 12. August 1956 die ewige hl. Profess.
1952 bekam sie den Auftrag, das Nähzimmer zu übernehmen und mit ihren erworbenen praktischen Kenntnissen den Schwestern zu dienen. Das war damals eine sehr umfangreiche Arbeit, da alles selbst genäht wurde: die Unterwäsche, der Habit, die Kapuzen unter den Schleiern und die damals sehr ausgefeilten Schleier. Sr. Corona brachte den jungen Schwestern das Einzeichnen der Wäsche bei. 1964 wurde das Nähzimmer für zwei Jahre einer anderen Schwester übertragen. Danach übernahm sie es wieder. Nach dem Spezial-Generalkapitel 1969 besuchte sie zwei Kurse für Schnitt-Zeichen.
Sr. Corona machte von 1969 – 1971 den Theologischen Laienkurs, wo sie die 11 Prüfungen ablegte. Dann bat sie die Generaloberin, Mutter Wendelina Graml, sich im Fach Religion weiterbilden zu dürfen, um unterrichten zu können. Ab September 1971 besuchte sie den Abendlehrgang für Berufstätige für Religion, Religionspädagogik genannt. Sie litt darunter, dass sie keine Matura hatte, war aber fleißig im Lernen und die Ausbildung machte ihr große Freude. Sie unterrichtete dann kurze Zeit in der Volksschule in der Florian-Hedorferstraße in Wien Simmering. Sie schreibt: „Die Frohbotschaft Christi wird heute so verkündet: Man muss bei der Erfahrung vom Leben des Kindes einsteigen, eine Umweltgeschichte bringen und dann geht man zur Perikope über. Vorher kommt ein Schülergespräch […], dann die Anwendung für das Leben des Kindes. Freies Gebet ist meist in der Mitte oder am Schluss und freies Zeichnen. Oh, das Kind soll in dieser Stunde froh sein und erfahren, dass Religion etwas Frohes ist.“
Sr. Corona machte neben der alltäglichen Hausarbeit die Ausbildung zur Pastoralassistentin im 2. Bildungsweg, die sie 1978 abschließen konnte.
Am 1. Oktober 1978 wurde sie vom Bischof in die Pfarre Schottenfeld, 1070 Wien zur Pastoralassistentin bestellt. Das war für sie ein neues Zuhause, denn in der Gemeinschaft hat sie sich oft nicht verstanden gefühlt. Die Tätigkeit in der Pfarre übte sie bis zu ihrer Pension und weit darüber hinaus aus.
Dankbar wollen wir uns immer wieder an sie erinnern, an ihre tiefe Frömmigkeit, an ihre Freude an Weiterbildung durch geistliche Literatur, an ihre Einfachheit und ihre Liebe zu den Armen, denen sie vor allem beim Dienst in ihrer Pfarre Schottenfeld immer wieder Essensgutscheine und ein aufmunterndes Wort schenkte. Sie hatte auch eine besondere Liebe zu Kindern, die sie viele Jahre lang in der Erstkommunionvorbereitung begleitete. Bis Sommer 2019 war sie treu jeden Tag in der Kanzlei in ihrer Pfarre.
Danach wurden das Schwächer-Werden, die innere Einsamkeit, die Vergesslichkeit und das Angewiesen-Sein auf Pflege zu einer großen Herausforderung für sie. Die unzähligen Stunden in der Kapelle in treuem Gebet gaben ihr immer wieder Kraft.
Die letzten Jahre wurde sie in der Simmeringer Gemeinschaft liebevoll betreut. Vor allem Sr. Susanna Fieglmüller tat das in ganz aufopfernder Weise. Als es zu Hause nicht mehr ging, kam sie in ein Pflegeheim in Simmering, das eine spezielle Demenzstation hatte. Das Heim war nur 10 Minuten vom Konvent entfernt und so konnten die Schwestern sie oft besuchen.
Zu ihrem 96. Geburtstag kamen alle Schwestern der Simmeringer Hausgemeinschaft zu ihr. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon recht schwach und konnte nicht mehr aufstehen. Die Schwestern sangen für sie – und teilweise auch mit ihr – einige ihrer Lieblingslieder. Obwohl Sr. Corona öfter gedanklich an für uns nicht erreichbaren Orten war, flüsterte sie ein leises Danke. Wir verabschiedeten uns in dem Bewusstsein, dass Gott ihren Wunsch, endlich zu ihm heimzukehren, bald erfüllen würde.
An den Tagen vor ihrem Heimgang waren bei ihren fast nur mehr gehauchten Worten Gebete (vor allem das „Gegrüßet seist du, Maria“) erkennbar. Immer wieder streckte sie dabei ihre Hände zum Himmel. Vielleicht sah sie den Himmel schon offen. Sehr bewegend war die Veränderung von Sr. Corona in den letzten Tagen und Wochen ihres Lebens. Obwohl sie beim Ausdrücken von Nähe in ihrem Leben sehr zurückhaltend war, berührte sie in den letzten Tagen immer wieder das Gesicht der sie besuchenden Menschen mit ihren Händen.
Am 24. Dezember schlief sie friedlich ein. Das Sakrament der Krankensalbung hatte sie schon zuvor einige Male empfangen.
Nun ist sie heimgekehrt zu ihrem Gott und Schöpfer. Wir sind dankbar für das Geschenk ihres Lebens. Sie hat ihr Lebensziel erreicht, Gott hat ihr Leben vollendet. Wir sind noch unterwegs und so bitten wir sie, bei Gott weiter für uns zu beten, so wie sie es auf Erden viele, viele Stunden getan hat.
Das Begräbnis fand am 13. Jänner 2023 am Simmeringer Friedhof (Unter der Kirche) statt. Neben Sr. Gudrun als Begräbnisleiterin feierte P. Karl Seethaler OT das Begräbnis mit. Im Anschluss daran fand die Auferstehungsmesse in der Kapelle der Schwestern (Simmeringer Hauptstraße 175, 1110 Wien) statt. Hauptzelebrant war Kaplan (Pfarre zur Frohen Botschaft, Wien) Albert Reiner, ein ehemaliges Erstkommunionkind von Sr. Corona, und Konzelebrant P. Albert Michelitsch ofmcap., ihr langjähriger Beichtpriester.
Verfasst von Sr. Gudrun Schellner
